Islamska zajednica Bošnjaka kantona Aargau
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Utorak, 02. Februar 2010

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http://derstandard.at/1263706531659/Grossrazzia-gegen-Islamisten

Europäische Kommission spaltet Südosteuropa
Reisegesetze diskriminieren Srebrenica-Opfer

Mit großer Besorgnis beobachten wir die aktuelle Südosteuropa-Politik
der Europäischen Kommission. Die Visa-Politik gegenüber den
Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens droht, zwei Klassen von
Bürgern in Südosteuropa auf ethnischer Grundlage zu schaffen.
 
Wir begrüßen, dass ab dem 1. Januar 2010 den Bürgern aus Montenegro,
Mazedonien und Serbien Reisefreiheit in die Europäische Union gewährt
wird. Beispielsweise Bosnien und Herzegowina wird aber das gleiche
Reiserecht verweigert. Die Europäische Kommission missachtet, dass
sich Bosnien und Herzegowina und Serbien bei der Einführung
biometrischer Pässe und diverser Gesetzesprojekte der Visa-Roadmap
fast gleich auf sind. Die Argumente, die als Begründung dienen, sind
in der Sache nicht überzeugend und politisch verantwortungslos.
 
Mit ihrem Visa-Gesetzesvorhaben verstärkt die Europäische Kommission
die Spannungen innerhalb der fragilen Nachkriegsgesellschaften, indem
sie ethnische Trennlinien formalisiert und zweifelhafte Legitimität
verleiht. Denn nur ein Teil der Staatsbürger in Bosnien und
Herzegowina wird von den neuen Reisegesetzen profitieren: Serbische
Bosnier und serbische Kosovaren reisen dank ihrer serbischen
Zweit-Staatsbürgerschaft ab dem 1.1.2010 visumsfrei in die EU. Die
kroatischen Bosnier profitieren bereits mehrere Jahre von der
Visa-Liberalisierung der EU gegenüber Kroatien. Für die Bosniaken aus
Bosnien und Herzegowina bleiben aber die bestehenden
Reiseeinschränkungen oder Reiseverbote bestehen. Ethnische
Zugehörigkeit wird somit de facto über die Reisefreiheit entscheiden.
 
In diesen Tagen vor 14 Jahren wurden in der Umgebung von Srebrenica
tausende muslimische Jungen und Männer ermordet. Es ist ein
politisches Armutszeugnis für die Europäische Union, dass die
bosniakischen Überlebenden und Hinterbliebenen gegenüber den
hunderten, bislang straffreien serbischen Schützen und Kommandeuren
von Srebrenica sowie vielen anderen Tätern benachteiligt werden
sollen.
 
Die deutsche Nachkriegsgeschichte erinnert uns, wie wichtig
Reisefreiheit für die friedliche Entwicklung einer Gesellschaft ist:
Mit der Änderung der Reisegesetze in der DDR am 9. November 1989 fiel
die Mauer. Ost- und Westeuropa wuchsen zusammen. Den Menschen in
Südosteuropa steht die gleiche Reisefreiheit zu. In einer Region, in
der das Gespenst des Nationalismus noch immer nicht aus den Köpfen
verschwunden ist, brauchen Gedanken- und Meinungsfreiheit auch die
Freiheit des Reisens. Nicht Freiheit schafft Instabilität, sondern
deren Unterdrückung.
 
Es ist der Grundgedanke der Visa-Liberalisierungspolitik der
Europäischen Union, Südosteuropa an die EU heranzuführen und
europäische Verständigung zu verbreiten. In den kommenden Wochen haben
die Europäische Kommission, der Europäische Rat und das Europäische
Parlament die Wahl, ob ihre Visa-Politik Europa einen oder auf
ethnischer Grundlage spalten soll.
 
13. Juli 2009
 
V.i.S.d.P
Tobias Bütow, Hagenauer Str. 8, 10435 Berlin, southeastern.europe at gmx.de
 
----------------------------------------------------------------
Signatories/Erstunterzeichner:
 
Christian Schwarz-Schilling, Hoher Repräsentant a.D., München, Germany
Marieluise Beck, MdB, Berlin, Bündis90/Die Grünen, Germany
Franziska Brantner, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Doris Pack, MEP, (EPP), Brussels
Tilman Zülch, Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen, Germany
Rebecca Harms, MEP, (Chair Greens/EFA), Brussels
Dany Cohn-Bendit, MEP, (Chair Greens/EFA), Brussels
Reinhard Bütikofer, MEP (Bureau Greens/EFA), Brussels
Rüdiger Ratsch-Heitmann, Schüler Helfen Leben, Berlin/ Pristina/Sarajevo
Ulrike Lunacek, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Hermann Hardt, Flüchtlingsrat Hamburg e.V.
Heide Rühle, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Sven Giegold, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Peter Matjasic, Secretary General, Young European Federalists, Brussels
Bart Staes, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Helene Flautre, MEP (Greens/EFA), Brussels
Michael Cramer, MEP (Greens/EFA), Brussels
Werner Schulz, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Raul i Romeva, MEP, (Greens/EFA), Brussels
Dr. Damir Arsenijevic, Tuzla University, Bosnia and Herzegovina
Ulrike Baur, Journalist and Filmmaker, Heidelberg, Deutschland
Prof. Dr. Johan Behrens, Universität Halle/Saale, Germany.
Dr. Carl Bethke, Universität Leipzig, Germany
Amira Bieber, Forschungsgruppe Bosnien, Frankfurt am Main, Germany.
Dr. Benjamin Bieber, Forschungsgruppe Bosnien, Frankfurt, Germany.
Bärbel Bohley, Berlin
Tobias Bütow, Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, Berlin, Germany.
Jasna Causevic, Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., Göttingen, Germany
Tobias Heider, Freie Universität Berlin, Germany.
Majda Idrizbegovic, European University Institute, Florence, Italy
PD Dr. Ernst Köhler, Universität Konstanz, Germany.
Peter Matjasic, Young European Federalists
Armina Omerika, Universität Erfurt, Germany
Erich Rathfelder, Journalist, die tageszeitung
Oliver Rolofs, Hauptmann d.R., Germany.
Damir Saracevic, ZZI, Linz, Austria
Beate Seel, taz, Ressortleitung Ausland, Berlin, Germany
Antje Heider-Rottwilm, Dr. Martin Heider, Brücke-HafenCity, Hamburg Germany
Michael Schmitt, European Parliament, Brussels
Aida Vehabovic, Schüler Helfen Leben, Sarajevo, Bosnia and Hercegovina
Walter Veirs, Regional Director, Charles Steward Mott Foundation, Great Britain
 
 
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